Kodak KB10

Kodak bot am Vorabend der völligen Digitalisierung der Fotografie noch so einige für diesen Blog relevante Kameras an. Zu nennen wären da vor allem die recht schicken EC- und KB-Kameras, von denen die meisten allerdings motorisiert und teils sogar mit weiteren Automatikfunktionen ausgestattet sind. Es existieren aber auch ein paar reine Focus Free Modelle. Gemeinsam haben beide Kamerafamilien, dass sie hier zu Lande eher seltener angeboten werden, und, als Schlussfolgerung daraus, sie ihren Hauptabsatzmarkt vermutlich in anderen Regionen dieser Welt hatten. Mittlerweile liegen mir die Kodak EC100 und die Kodak KB10 vor, um Letztere soll es im nachfolgenden gehen.

Die KB10 von 1997 ist die erste Kamera aus der KB-Familie, die Kodak auf den Markt brachte, gefolgt von zehn weiteren Modellen. Dabei sind die Modelle KB10, KB12, KB12 Plus, KB18 und KB22 mit einem manuellen Filmtransport („Daumenrad“) ausgestattet, alle anderen (KB20, KB28, KB30, KB32, KB35 und KB Zoom) spulen den Film automatisch. Unterm Strich ähneln sich die Modelle allerdings alle sehr, lediglich die KB22 und KB32, die auch EC-Kameras sein könnten, und die KB Zoom fallen da aus der Rolle. Die Antwort auf dieser unübersichtlichen Produktvielfalt lag wohl in Kodaks Kerngeschäft begründet, dem Film. Von jeher wollte der gelbe Riese aus Rochester hauptsächlich Film verkaufen, Fotoapparate waren da immer nur das dafür (zur Kundenbindung) notwendige Beiwerk.  

Trotz solider, fast schon hochwertiger Bauweise, ist die KB10 nur mit dem allernötigsten ausgestattet. Nicht einmal das Blitzlicht lässt sich abschalten, sofern Batterien eingelegt sind. Der große und helle Sucher und besonders die 30 mm Linse sind aber von Spitzenqualität. Die für Billigknipsen so typischen Bildfehler, wie der Helligkeitsabfall in den Bildecken („Vignettierung“) oder die abnehmende Randschärfe, lassen sich so gut wie nicht ausmachen. Damit hebt sich die Kodak KB10 spürbar von den aktuellen Kodak Reusable Cameras (M35/38, Ultra F9, Ektar H35 etc.) ab. Schade eigentlich, denn Fotoapparate auf diesem deutlich höheren Qualitätsniveau fehlen derzeit am Markt komplett.


Neben dem sehr großen und akkuraten Bildzählwerk, ist auch die Filmaufnahmespule technisch fortschrittlicher. Statt des üblichen Schlitzes zum (oft fummeligen) Einfädeln des Films, übernehmen hier zwei kleine Aufnahmezähne auf der Spule diese Arbeit. Das klappt immer auf Anhieb und war bei den motorisierten Kameras schon in den 90er-Jahren der Standard.

Rückspulhebel zwischen Sucher und Daumenrad

Als kleiner Unterschied zu den vielen anderen Focus Free Kameras, die es so auf dieser Welt gibt, hat die KB10 keinen Knopf zum Lösen der Filmaufnahmespule auf der Unterseite, sondern einen Hebel zwischen Sucher und Filmtransportrad. Möchte man den Film zurück spulen, muss man erst den Hebel zurückschieben bis er einrastet.

Die Kodak KB10 gehört für mich zur Premiumklasse (im unteren Preissegment, versteht sich) und ist wohl die hochwertigste Kamera, die ich bisher hier im Blog vorgestellt habe. Das sehr schlanke Gehäuse liegt gut in der Hand und hat außerdem ein recht ansprechendes Design. Allenfalls das Dauerblitzlicht ist ein Kritikpunkt, ein An/Aus-Knopf wäre schön gewesen, aber wie schon erwähnt, kann man als Abhilfe die Batterien einfach aus der Kamera nehmen.     


Weitere Informationen
Bedienungsanleitung (englisch)
 

Kommentare

Beliebte Posts