Diana Mini

Die schicke Diana Mini gehört hier auf FOCUS FREE eigentlich nicht besprochen, weil sie nämlich genau das nicht ist: focus free. Ihr erblich bedingter Zonenfokus soll aber nun nicht zum Ausschluss führen, denn wie so oft in dieser (plastikmäßigen) Welt, sind die Grenzen fließend.

Die Diana Mini basiert mehr als offensichtlich auf der bekannten Diana Kamera aus den 60er-Jahren. Nachdem die Lomographic Society jenen alten Kultfotoapparat als Diana+ neu auflegen konnte, schob man 2009 eine Kleinbildversion nach. Dem schwarz-blauen Standardmodell folgten über die Jahre zahlreiche Sondereditionen zu unterschiedlichsten Anlässen, wie meine Petite Noire. Einige davon wurden außerdem im Set mit einem Blitzgerät verkauft. Der Preis für die Kamera alleine lag damals bei 50 Euro, auf dem Gebrauchtmarkt sind sie mittlerweile für die Hälfte zu haben.

Die Kamera schießt quadratische Bilder auf handelsüblichen 35 mm Kleinbildfilm, kann aber auch auf Halbformat umgeschaltet werden. Dadurch verdoppelt sich die Anzahl der Aufnahmen pro Film. Das Umschalten von Format zu Format ist nur vor Spannen des Verschlusses möglich und erzeugt eine Überlappung der jeweiligen Bilder. Das kann man bei abgedeckter Linse mit einer „Leer-Aufnahme“ umgehen, verschwendet aber ein Stück Film. Der winzige Sucher ist zwar quadratisch, zeigt aber auch den Halbformatbereich an.

Überlappung Halb-/Quadratformat: Die Automatik im Fotolabor würde hieraus wahrscheinlich zwei Einzelbilder erzeugen, im schlechtesten Fall auch nur ein Ausschnitt, also lieber selbst scannen!

Auch bei den quadratischen Bildern ist ein Eigenscan zu empfehlen, möchte man keinen breiten schwarzen Rand haben, der durch die standardisierte Verarbeitung im Labor oft entsteht. Natürlich kann man den Rand auch einfach abschneiden. Im Halbformat ist es oft sehr unterschiedlich. Manche Labore scannen jedes Bild einzeln ein, manche wiederum nicht.

Die Brennweite der Linse wird mit 24 mm angegeben; das bezieht sich aber auf das Halbformat und entspricht ca. 50 mm bei Vollformat! Es ist also kein Weitwinkelobjektiv. Von der Rollfilm-Diana leider übernommen hat man den Zonenfokus mit vier Entfernungseinstellungen (0,6 m, 1-2 m, 2-4 m, 4 m - ∞). Hier wäre für mich ein Fixfokus die bessere Lösung gewesen, erübrigt sich dadurch das Fokussieren (was man sowieso im „Eifer des Gefechts“ oft vergisst). Am schärfsten bildet die Linse im Nahbereich (0,6 m) ab, bei allen anderen Entfernungseinstellungen nimmt die Schärfe deutlich ab. Vielleicht ist eine exaktere Entfernungseinstellung nötig, um den gewissen „Sweet Spot“ zu finden. Die beiden Blendeneinstellungen (Sonne/Wolken) dienen daher eher der Belichtung als dass sie einen großen Einfluss auf die Tiefenschärfe hätten.

Ein wenig aufpassen muss man beim Filmtransport. Dieser spannt bekanntlich den Verschluss für die nächste Aufnahme (bei der großen Schwester ist das nicht so). Das Filmtransporträdchen rastet allerdings nicht eindeutig ein. Es ist immer noch ein wenig Spiel vorhanden und kann zum Überdrehen verleiten, mit Beschädigung der Filmperforation und Filmriss als Folge.

Ansonsten bietet die Kamera noch Langzeitbelichtungen. Dafür ist sie glücklicherweise mit einem ¼ Zoll Stativanschluss und einem Gewinde für Drahtauslöser ausgestattet. Das klingt jetzt zwar selbstverständlich, ist aber beim Rollfilm-Original und bei manch anderer Toy Camera (z. B. Golden Eye) unsinnigerweise nicht der Fall.

Ende März 2024 kam für mich überraschend das offizielle Ende der Diana Mini. Sie wurde schließlich ersetzt durch die Lomourette, einer abgespeckten Variante ohne Quadratformatmaske. Seitdem sind nur noch Restbestände der Diana Mini im Abverkauf erhältlich. Bevorzugt man eher Neuware, sollte man daher jetzt noch zugreifen! Alternativ bleibt dann nur noch der Gebrauchtmarkt.

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