Chupa Chups Photo Pop

Wie der einzigen mir bekannten Quelle (Internet Archiv) zu entnehmen ist, wurde die Chupa Chups Photo Pop im Sommer 2005 in den Supermärkten für nur 3,99 € verkauft. Unglaublich aus heutiger Sicht. Ich bekam damals davon natürlich nichts mit, leider, aber es hätte mich ohnehin nicht interessiert. Auch wenn die Kamera schon fast als Werbegeschenk durchgeht, empfinde ich es aus heutiger Sicht erstaunlich, dass man 2005 noch einen analogen Fotoapparat angeboten bekam. Zu jener Zeit wollte doch so gut wie niemand mehr auf Film fotografieren, meiner Erinnerung nach.

Qualitativ mutet die Photo Pop schon sehr plastikmäßig an, was bei dem Verkaufspreis allerdings nicht verwundert. Das Gehäuse besteht aus einem vergleichsweise dünnen Kunststoff, besonders am Kameraboden und an der Rückklappe. Die Rückklappe kommt zudem ohne Scharniere aus; das Plastik ist an der entsprechenden Stelle einfach geknickt. Das funktioniert zwar ganz gut, kann sich gleichwohl langfristig zu einer Sollbruchstelle entwickeln. Genauso ist die unterseitig angebrachte Rückspulkurbel ein fragiles Etwas.

Auffällig ist die gelbe Haube auf der Oberseite der Kamera, unter der sich ein Lutscher befand. Ganz ketzerisch könnte man sagen, die Kamera diente lediglich zur Aufbewahrung der Leckerei. Sicherlich war die Photo Pop nur als Gimmick gedacht, denn das eigentliche Geschäft der spanischen Chupa Chups S.A. waren (und sind bis heute) die Süßwaren. Ein leichter Spielzeugstatus haftet der Photo Pop definitiv an, man bedenke nur die Zielgruppe. Wohl deswegen wies man auf der Verpackung deutlich darauf hin, dass es sich hier um eine „Real Camera“ handelt.

Mit der Angabe 1000 mm rechts von der Linse ist der Mindestabstand den man zum Objekt einhalten soll gemeint. Die Brennweite der Linse beträgt dagegen (geschätzte) 35 mm. Die Optik könnte nicht besser sein; sie erzeugt  sehr prächtige Bilder, mit einem recht moderaten Schärfeabfall zu den Rändern und einer kaum wahrnehmbaren „Vignettierung“. Die Knopfattrappen weiter unten empfinde ich als total überflüssig, unterstreichen den Toy-Charakter der Kamera aber zusätzlich.



Der Filmtransport läuft bei der Photo Pop sozusagen rückwärts, d.h. man muss zuerst den kompletten Film mit der Kurbel auf die Aufnahmespule wickeln, um ihn dann mit dem Filmtransportrad nach jeder Aufnahme Stück für Stück wieder in die Patrone zurück zu spulen. Dadurch sind die bereits gemachten Belichtungen vor versehentlichem Öffnen der Rückklappe geschützt. Viele der besseren Kameras der Neunzigerjahre funktionierten nach dem gleichen Prinzip und fast genauso bis heute alle Einwegkameras. Aufgrund der fehlenden Kurbel wird der Film bei den Einwegkameras jedoch werksseitig aufgespult.

Wie man den Film einlegt und damit die Kamera Aufnahmebereit macht, wird auf der Rückklappe durch ein dreiteiliges Piktogramm erklärt und natürlich auf der Rückseite der Verpackung, dort ebenfalls ohne Worte. Eine separate Anleitung auf Papier existiert wiederum nicht.      

Erhältlich war die Chupa Chups Photo Pop in den Farben blau, grün und rot. Der Lutscher hatte dabei anscheinend immer Erdbeergeschmack. Auf dem Gebrauchtmarkt ist das rote Modell seltener zu finden als die beiden anderen Farbausführungen. Richtig häufig sind auch diese nicht. Auf den Preis wirkte sich das bisher zum Glück nicht aus. Nur für das rote Modell musste ich 20 Euro hinlegen, alle anderen waren deutlich günstiger zu haben. Abschließend sei noch anzumerken, dass mir ähnliche, auf der Photo Pop basierende oder unter anderen Namen geführte Modelle gänzlich unbekannt sind. Wurde die Photo Pop etwa exklusiv für Chupa Chups in China maßgeschneidert?

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