Digicam FM-100

Eine analoge Kamera Digicam zu nennen ist schon fast unverschämt, aber auch typisch für den Hersteller Ouyama, der für allerlei unsaubere Tricksereien bekannt war. Man denke da nur an die lustigen Spiegelreflex-Attrappen oder vermeintlichen Videokameras, die in Wirklichkeit eine Kombination aus Fotoapparat und Kassettenrecorder waren. Diese teils üblen Machwerke sind noch heute fester (und meist unverkäuflicher) Bestandteil vieler Verkaufsplattformen im Internet. Hier im Blog sind einige ausgewählte Kreationen besagter fernöstlicher Plastikschmiede unter dem Etikett Canomatic abgelegt.

Die Digicam FM-100 stand lange Zeit ganz oben auf meiner Suchliste. Offenbar ist die Kamera eine kleine Seltenheit, denn erst nach Jahren wurde ich fündig und dann gleich zwei Exemplare auf einen Schlag. Die Kamera selbst ist zwar identisch mit der bereits vorgestellten Nippon Flash, beherbergt zur Vorgenannten aber ein rauschendes Etwas, das ein Radio darstellen soll. Dafür muss die Digicam ohne eingebautes Blitzlicht auskommen – es wäre wohl zu viel Hightech für diese kleine Kamera gewesen.

Eingeschaltet wird das vermeintliche Radio durch ein Rad auf der Unterseite, das auch als Lautstärkeregler dient. Im Radiobetrieb glimmt eine rote Leuchtdiode links vom Sucher, rechts davon befindet sich unübersehbar der Lautsprecher. Das Sendertuning erfolgt angeblich durch zwei schwarze Knöpfe (Scan/Reset) am linken Gehäuserand. Natürlich funktioniert das alles nicht und sicherlich wurde die Kamera damals schon in genau diesem Zustand ausgeliefert. Kaputt ab Werk, sozusagen. Immerhin lässt sich die 30 cm lange Antenne problemlos herausziehen und bewegen.  

Für den Betrieb der Kamera ist die Antenne sogar hinderlich. Im eingeklappten Zustand klemmt die Antenne die Rückspulkurbel ein und beeinträchtigt dadurch auch den Filmtransport (die Kurbel dreht sich während des Filmtransports mit). Außerdem stoßen die Finger beim Kurbeln an die Antenne. Als Abhilfe sollte man die Antenne daher aus ihrer Arretierung lösen und ein Stück anheben. 

Der Filmtransport überdies läuft nicht ganz akkurat ab und verursacht gelegentlich leichte Überlappungen der Aufnahmen. Am Filmende stoppt das Transportrad nicht und lässt sich überdrehen. Das kann die Filmperforation beschädigen und zum Filmriss führen (alles selbst erlebt)! Man muss dazu noch mitzählen wie viele Bilder bereits geschossen sind, da auch das Zählwerk defekt ist (bei beiden mir vorliegenden Apparaten). Eine lange Mängelliste also.

Der Rest der Digicam ist aber in Ordnung. Wie bei fast allen Canomatic-Kameras üblich, beträgt die Brennweite der Linse nicht wie aufgedruckt 50 mm, sondern 38 mm (das ist der Bedienungsanleitung zu entnehmen). Die Bilder gleichen der Nippon Flash oder der Nippon K-147, kommen jedoch völlig ohne Bildstörungen oder gar Lichtlecks aus. Nachfolgend drei Bilder fotografiert auf Kodak Porta 160.



Wie erwähnt, lässt sich die Digicam FM-100 nicht so leicht auftreiben. Daher ist mir lediglich eine Namensvariante, Ouyama FM-147, und noch eine blaue Farbausführung bekannt. Tatsächlich existiert sogar ein Nachfolgemodell, die Digicam FM-200, basierend auf einer völlig anderen Knipse, teilweise aber mit recht ähnlichen Mängeln. Dazu mehr in der nächsten Woche.

Kommentare

Beliebte Posts