La Sardina


Die La Sardina erschien erstmalig im Sommer 2011. Damals bescherte uns die Lomographic Society auf einen Schlag gleich vier verschiedene Modelle. Zwei davon mit Blitzgerät, „Fischers Fritze“ und „El Capitan“, sowie zwei ohne, „Sea Pride“ und die hier abgebildete „Marathon“. Dieses Erstlingsquartett ist längst ausverkauft, es folgten im Laufe der Jahre aber weitere Modelle zu den unterschiedlichsten Anlässen, wie die besonders schicke, mit Stoff bezogene „Acapulco“. 

Die La Sardina erinnert schon ein Stück weit an eine Sardinenbüchse, tatsächlich ist sie aber der Kandor Candid (weitere Name: Lark), einer alten Rollfilmkamera der Irwin Corporation aus New York, nachempfunden. Diese besteht komplett aus Metall und ist für den kleineren Rollfilm Nr. 127 ausgelegt. Die La Sardina dagegen, ist voll und ganz aus Plastik und belichtet handelsübliche Kleinbildfilme. 

Manche Details an der La Sardina sind auffällig ungewöhnlich gelöst. Neben einem proprietären Blitzlichtanschluss, dem „Unique Sardina Micro Contact“, besitzt die Kamera ein versenkbares Objektiv. Um die Kamera, sprich den Verschluss, einsatzbereit zu machen, muss man den Objektivtubus herausziehen und drehen bis er einrastet. Auf dem Tubus ist dann der Hinweis „Only shoot if you can read me“ zu lesen. Es empfiehlt sich daher der Blick in die Bedienungsanleitung, sofern diese noch vorliegt. Bei späteren Sardina-Ausgaben, zum Beispiel der „The Guvnor“, ist das Objektiv allerdings fest verbaut.

Die La Sardina aufnahmebereit mit herausgezogenem Objektivtubus; die Objektivkappe ist noch aufgesteckt. Das Klick-Geräusch des Verschlusses ist ungewöhnlich leise. Manchmal war ich mir nicht sicher, ob die Kamera überhaupt ausgelöst hat. 

Es fehlt außerdem das „Daumenrad“ für den Filmtransport und die Rückspulkurbel. Diese Funktionen übernehmen stattdessen die zwei Drehknöpfe auf der Oberseite, ähnlich der alten Vorkriegs-Leicas. Beide Knöpfe lassen sich vor- und zurückdrehen; gewollte Bildüberlappungen sind dadurch jederzeit möglich. Bei meiner Marathon lief der Filmtransport (in beiden Richtungen) grundsätzlich etwas schwergängig. Eine solide Rückspulkurbel hätte mir da besser gefallen. 

Beim Objektiv handelt es sich um eine 22 mm Weitwinkellinse. Warum man hier auf einen Zonenfokus gesetzt hat, kann ich nicht ganz nachvollziehen. So sind kurze Brennweiten doch von „Anfang bis Ende“ scharf, sofern die Blendenöffnung klein genug ausfällt. Stattdessen muss man sich mit zwei Entfernungseinstellungen abfinden: „nah“ (0,6-1,0 m) und „fern“ (1,0 m-∞). Einigermaßen scharf bildet die Linse nur im Nahbereich ab, darüber hinaus nimmt die Schärfe deutlich ab. Schon deswegen ist der Zonenfokus eigentlich überflüssig. Dafür erzeugt sie einen recht speziellen Bildlook, der mir persönlich sehr gefällt. 


Der große Reflex rechts im Bild ist typisch für die Optik der La Sardina. Genauso der leichte Lichtabfall in den Bildecken („Vignettierung“).


Das Stativgewinde, darunter der Blitzlichtanschluss „Unique Sardina Micro Contact“. Das passende Blitzgerät „Fritz the Blitz“ (liegt mir nicht vor) war auch separat erhältlich und ließ sich über einen Adapter an andere Kameras mit Hot Shoe verwenden. 

Die Rückklappe (mit Filmsichtfenster!) ist ein Deckel und kommt ganz ohne Scharniere aus; einfach draufstecken.

Bei der weiteren Ausstattung dachte man diesmal an alles: ein Knopf für Langzeit- (B) und Mehrfachbelichtungen (MX), den dafür nötigen Stativanschluss und im Auslöseknopf sogar ein Gewinde für den Drahtauslöser, damit die langen Belichtungszeiten wirklich wackelfrei bleiben. Nur der Sucher ist wieder einmal zu klein geraten und für Brillenträger etwas unübersichtlich (ein altes Problem bei den Billigknipsen).

Ursprünglich wurde die La Sardina für 49,- bzw. als Kombo mit Blitzlicht für 89,- € angeboten. Mittlerweile befinden sich nur noch zwei Modelle, DIY und 8Ball Edition, im Sortiment der Lomographic Society und diese sogar zu reduzierten Preisen. Das klingt ganz nach Auslaufmodell. Das gleiche Schicksal ereilte auch die Diana Mini (anschließend als Lomourette neuaufgelegt) und jüngst sogar deren Flaggschiff-Kamera Lomo LC-A. 

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