Harman EZ-35
Nach der Harman Reusable Camera, ein wenig liebloser Name, wie ich finde, ist seit geraumer Zeit die Harman EZ-35 vom namensgebenden Hersteller aus Großbritannien erhältlich. Harman‘s neuestes Modell lässt mich voll in Nostalgie schwelgen. Die EZ-35 ist genau die Art von Kamera, die ich mir in den 90er-Jahren als Schüler leisten konnte, während ich von einer Spiegelreflexkamera, besonders der Markenhersteller, nur träumen konnte (das sollte sich erst zu Weihnachten 1999 ändern, aber das ist eine andere Geschichte).
Die EZ-35 wird in einer recht ansprechenden Schachtel ausgeliefert, inklusive dem beliebten Ilford HP5+ Schwarzweißfilm und einer 1,5 V Mignon Batterie, die für den Betrieb der Kamera obligatorisch ist (ohne Strom funktioniert nichts). Der Preis liegt derzeit bei 59,99 €. Auf eine Bedienungsanleitung in Papierform hat man hier verzichtet und diese Ressourcen schonend auf der Rückseite der Verpackung aufgedruckt. Früher waren günstigen Kamera-Komplettsets dieser Art oft noch ein Kunstlederetui beigelegt, von dem man hier zum Glück abgesehen hat. Ich konnte die Dinger damals schon nicht gebrauchen. Vertrieben wird die EZ, Stand Veröffentlichungsdatum, mittlerweile auch in Deutschland. Ich musste als „Early Adopter“ meine Bestellung noch in den Niederlanden aufgeben.
Die Harman EZ-35 ist eine Kleinbildkamera mit eingebautem Blitzlicht und besitzt, als eine Art Upgrade zum Vorgängermodell, einen automatischen Filmtransport. Dieser ersetzt das „Daumenrad“ und die bei vielen Focus Free Knipsen oft sehr fragile Rückspulkurbel. Ich hatte ganz vergessen, wie „laut“ diese Automatik doch ist; früher gehörte das Geräusch einfach zum Knipsen dazu. Auch entfällt das manchmal fummelige Einfädeln des Films in die Aufnahmespule; der Filmanfang muss hier nur auf die Spule gelegt werden. Der dort befindliche „Aufnahmezahn“ erledigt nach betätigen des Auslösers den Rest. Zu dieser Automatisierung passt die Bezeichnung EZ, denn spricht man die Buchstaben amerikanisch aus (nicht britisch, wohlgemerkt), ergeben sie das Word easy. Genau das ist die Kamera: einfach. Als kleinen Nachteil empfinde ich, dass die Kamera ohne Batterie nicht genutzt werden kann. Man ist immer auf eine geladene Batterie angewiesen.
Es ist schön, dass es sich bei dem vorliegenden Fotoapparat um ein gänzlich anderes Modell handelt und nicht um eine motorisierte Variante der Reusable Camera. Insgesamt wirkt das Gehäuse kürzer und schmaler als das der mechanischen Schwesterkamera von Harman oder der Kodak M35 und M38; es sind tatsächlich nur einige Millimeter, die jedoch viel ausmachen. Eine Eigenschaft, die mir gut gefällt. Identisch ist aber die Bildqualität der 31 mm Linse mit den typischen (leichten) Randunschärfen. Hier handelt es sich sicherlich um die gleiche Optik. Insgesamt machte die Kamera einen soliden Eindruck und konnte mich im Test voll überzeugen. Durch den motorisierten Filmtransport mutiert die EZ-35 zu einer absoluten Knipsmaschine! So braucht man doch selbst nur noch den Auslöser drücken und draufhalten.
![]() |
| Harman EZ-35, Ilford XP2 Super |
![]() |
| Harman EZ-35, Ilford XP2 Super |
Tippt man den Auslöser leicht an, leuchtet links neben dem Sucher ein kleines rotes Lämpchen auf. Das soll wohl eine Art „Red eye reduction“, eine Funktion zur Reduzierung des Rote-Augen-Effekts bei Blitzaufnahmen sein, die z. B. auch bei der Letron oder der TeleShot Zoom zu finden ist. Ob das wirklich funktioniert, ist fragwürdig, denn eigentlich ist dafür ein Vorblitz notwendig. Erwähnung findet dieses versteckte „Feature“ allerdings nirgendwo, vielleicht auch zu Recht.
Wie schon gewohnt, limitiert Harman die Garantie drastisch, jedoch diesmal auf ganze 60 Tage, anstatt der Belichtung zweier Filme. Man weist ausdrücklich darauf hin, dass innerhalb des genannten Zeitraums die Kamera nicht repariert, sondern lediglich durch ein neues Exemplar ersetzt wird. Hm, ich dachte es gilt grundsätzlich eine Garantie von zwei Jahren bei Neuware...?
Wie bereits in meinem Teaser erwähnt, führen Auto-Funktionen jeglicher Art bei mir eigentlich zum Ausschluss aus meiner Sammlung, quasi ein K.O.-Kriterium. Das ist selbstredend eine persönliche Problematik, die nicht allgemeingültig für die Harman EZ-35 stehen soll. Für mich bestätigt hier die Ausnahme nur die Regel, wie man so schön sagt. Ich kann daher nur eine deutliche Empfehlung für diesen Fotoapparat aussprechen. Nun warte ich auf eine knallbunte Kodak-Version...
![]() |
| Harman EZ-35, Ilford XP2 Super |
Zur Erinnerung: Harman Technology Ltd ist der Hersteller der Ilford Schwarzweißfilme, Papiere und Chemikalien, hervorgegangen 2005 nach der Insolvenz der einstigen Ilford Imaging UK Ltd. Die im schweizerischen Marly ansässige Ilford Imaging Switzerland GmbH stellte Inkjet Papiere und andere fotografische Produkte her, musste jedoch 2013 ebenfalls ein Insolvenzantrag stellen und firmiert seitdem als Ilford Imaging Europe GmbH mit Sitz in Deutschland. Dieses Unternehmen bietet derzeit die Sprite 35-II Kleinbildkamera an und ist Rechteinhaber der Marke Ilford, die Harman für das klassisches Schwarzweißsortiment in Lizenz verwenden darf.





Kommentare
Kommentar veröffentlichen